Abstract
Das spätmoderne Phänomen der »Fear Of Missing Out« ist seitens der Geistes- und Sozialwissenschaften unterforscht. Eine erste (sozial-)philosophische Annäherung entbirgt nicht nur den Zusammenhang zur kapitalistischen Produktionsweise: fomo stellt sich praktisch-philosophisch primär als Symptom im tausch- oder warenwertbasierten Vergleichsgeschehen unter Konkurrent:innen heraus. Darüber hinaus lässt sich diese Diagnose eines "krisenhaften Vergleichs" - weiter verstanden als "Pathologie des Sozialen" - an die spekulativ-philosophische Frage nach dem Verhältnis von Dialektik/Negativität (Hegel) und Differenz (Postmodernismus) rückbinden: Mit Dialektik können Angstgründe konkret bestimmt und in den gesellschaftlichen Verhältnissen verortet werden; die immanente Vermittlung mit Andersheit kann als vorgängig und wesentlich erkannt und
daher die gesellschaftlichen Verhältnisse normativ kritisiert werden. Mit Differenz hingegen ist ein Transzendenzprinzip (für Wissen und Praxis) gesetzt, mit dem die Angst objektlos, der Andere als radikal getrennt erscheint und das liberale Freiheitsmodell (negative Freiheit-von) verabsolutiert wird; die im endlosen Transzendieren entstehende schlechte Unendlichkeit produziert die Angst, etwas oder »alles« zu verpassen.
Referent:innen
Pavél Kabat (Berlin)
Kosten
Die Teilnahme ist kostenlos.
Anmeldung
Die Anmeldung erfolgt via Email bei Prof. Dr. Lutz Götzmann: goetzmann@ippk.de