Zurück zu allen Events

„Viel Neues über das Neue – Aktualisierungen aus Philosophie, Psychoanalyse und Kulturwissenschaften“

  • AKC & Online (Hybrid) 4a Husova Praha 1, Hlavní město Praha, 110 00 Czechia (Karte)

Abstract

Bei der Tagung „Viel Neues über das Neue – Aktualisierungen aus Philosophie, Psychoanalyse und Kulturwissenschaften“ handelt es sich um eine eintägige wissenschaftliche Konferenz, die sich aus philosophischer, psychoanalytischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive mit dem Phänomen des Neuen auseinandersetzt. 

Das Neue, Innovation und Fortschritt stellen seit jeher vieldiskutierte und äußerst umstrittene Themenbereiche dar. Gerade in den letzten Jahren werden Themen rund um das Neue nicht nur in akademischen Fachkreisen beforscht, sondern reichen weit in den Alltag und die mediale Auseinandersetzung hinein. War unsere letztjährige Tagung darauf ausgerichtet, unter dem Motto „Nichts Neues über das Neue?“ spezifische Momente herauszuarbeiten, in denen das Neue zu Tage kommt, handelt es sich bei dieser Fortsetzung der Konferenz unter dem Motto „Viel Neues über das Neue“ vor allem darum, umgekehrt in Erfahrung zu bringen, welche Problemstellungen die inflationäre Benutzung der Idee des Neuen mit sich bringen kann. Dabei geht es vor allem um einen allzu weitläufigen Begriff des Neuen, wie er beispielsweise in Werbung, Technik und gesellschaftlichen Diskurse Verwendung findet. Unbemerkt leicht weicht dabei die fortschrittliche Kraft der Erneuerung einer nur modischen Inszenierung des Neuen. Als revolutionär wird präsentiert, was nur leichte Variationen und Modifikationen aufweist und die inflationäre Verwendung des Begriffs des Neuen verkauft Neuerungen, wo gar keine sind.

Wie schon letztes Jahr, laden wir Spezialist:innen aus Philosophie, Psychoanalyse und Kulturwissenschaften ein, das Neue einer genauen Prüfung zu unterziehen. Doch diesmal liegt der Fokus nicht darauf, das Neue sichtbar zu machen, sondern darauf zu achten, wo das Neue übermäßig oder fälschlich inszeniert wird. Denn seit jeher fasziniert das Neue, es erzeugt Überraschungen, regt die Phantasie an, an ihm haften Erwartungen, Versprechen und Hoffnungen, Utopien werden aus ihm erschaffen; aber manchmal auch Dystopien. Denn bei missbräuchlicher Verwendung kann das Neue auch für einen Rückschritt einstehen. Das geschieht besonders dann, wenn das Phänomen des Neuen selbst nicht ausreichend definiert wird und sich damit einer falschen Verwendung anbietet.

Im Zentrum der diesjährigen Konferenz steht das Verhältnis von Wesen und Wirkung des Neuen. Spricht das Neue durch sich selbst als ein revolutionäres, oder wird es nur in der Vermittlung als revolutionär verkauft? Ist das Neue gekennzeichnet von einem klaren Merkmal oder in stetigem Wandel begriffen? Ist das Neue oder ist es gerade noch nicht? Ist es sinnvoller, von einem Werden des Neuen als von einem Sein des Neuen zu sprechen? Müssen gerade die Wandlungsprozesse des Neuen in das Zentrum der Betrachtung gerückt werden? Zu diskutieren ist dabei eine Ontologie des Neuen, die Werden und Bewegung, Wandel und Veränderung, dem revolutionären Charakter sowie der Vorläufigkeit des Neuen Beachtung schenkt. Der zeitgenössische, Neues erheischende Umgang mit dem Neuen, orientiert sich nicht an einer dynamischen Formulierung des Neuen, sondern ist vielmehr von der Wiederholung derselben Motive in der Bewerbung und im Verkauf des Neuen geprägt. Benötigen wir für die Klärung des Neuen in seiner Bewegung und in seinem Werden gar einen eigens konzipierten beweglichen Begriff für das Neue? Radikal Neues ist immer im Modus des Werdens, während das nur scheinbar Neue einen statischen Seinscharakter hat. Darin enthalten ist eine Voraussagbarkeit, die dem radikal Neuen schon zu Beginn widerspricht, denn dieses Neue stellt sich als werdendes und unvorhersehbares Phänomen dar.

Erfreulicherweise konnten wir auch dieses Jahr wieder Dr. Markus E. Hodec für den Keynote-Vortrag unserer Konferenz gewinnen. Mit seinem Buch „Das Neue. Prolegomena der Känologie“ hat er eine Grundlage zur Erforschung des Neuen geschaffen und gerade die Wechselwirkung von Sein und Werden stellt einen zentralen Bezugspunkt seiner Forschungen dar. Der Keynote-Vortrag setzt den Rahmen dieser Debatte, die in der Philosophie und Geistesgeschichte Europas um das Verhältnis von Sein und Werden kreist und auf die idealtypischen Positionen der statischen Philosophie Parmenides’ auf der einen und der Prozessphilosophie Heraklits auf der anderen Seite zurückgeht. Diese Dialektik zieht sich durch die gesamte abendländische Geistesgeschichte und verspricht ein zentrales Vehikel für eine detaillierte Analyse des Neuen anzubieten.

Die Tagung „Viel Neues über das Neue – Aktualisierungen aus Philosophie, Psychoanalyse und Kulturwissenschaften“ wendet sich dem Neuen als Grenzphänomen zwischen Sein und Werden zu. Es gilt seinen Erscheinungsweisen in der Philosophie, aber auch in der Kultur und in der Psychoanalyse nachzuforschen, denn auch in diesen hat das Neue an der Grenze von Sein und Werden eine entscheidende Bedeutung. Das IPPK wird hier seine interdisziplinäre Expertise in der Verflechtung der Disziplinen der Philosophie, Psychoanalyse und Kulturwissenschaften einbringen. In Kooperation mit dem Institut für Philosophie der Tschechischen Akademie der Wissenschaften, ist eine weitere ertragreiche internationale und interdisziplinäre Tagung von hochkarätigem wissenschaftlichen Profil zu erwarten.

Die Teilnahme ist sowohl online als auch in Präsenz möglich.


Referent:innen

M.Sc. psych. Roxana Assadi (Hamburg)

Dipl.-Psych. Ulrike Bondzio-Müller (München/Wunsiedel i. Oberfranken)

Mag. Stephan Dietrich (Wien)

Lic. Sofía Gandini de la Sota (Buenos Aires/ Wien)

Prof. Dr. med. Lutz Götzmann (Berlin)

Dr. phil. Markus E. Hodec (Berlin/Prag)

Dr. phil. Petr Kouba (Prag)

PD Dr. phil. Hilmar Schmiedl-Neuburg (Kiel/Berlin)



Kosten

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei.


Anmeldung

Bitte melden Sie sich via E-Mail bei Dr. phil. Markus E. Hodec: hodec@ippk.de

Zurück
Zurück
28. Mai

Mariella Opolony: Ab wann gilt man(n) als Mann? Die vorzeitige Ejakulation als Spiegel kultureller Männlichkeitskonstruktionen

Weiter
Weiter
9. Juni

Universalpoetisches Laboratorium: Klima