Abstract
Etwa jedes siebte Paar in Deutschland ist ungewollt kinderlos, wobei in der Hälfte der Fälle eine männliche Fertilitätsstörung ursächlich ist. Die donogene Insemination eröffnet betroffenen Paaren einen Weg zur Erfüllung des Kinderwunsches, konfrontiert den Mann jedoch mit der Notwendigkeit, die Unfruchtbarkeit in das Selbst- und Männlichkeitsverständnis zu integrieren. Während die psychische und Beziehungsqualität von Samenspenderfamilien bereits gut untersucht ist, blieb die innerpsychische Verarbeitung männlicher Infertilität bislang weitgehend unbeleuchtet. Mittels semistrukturierter qualitativer Interviews wurde daher untersucht, wie infertile Männer ihre Unfruchtbarkeit in ihr Selbstverständnis integrieren und den Samenspender in das familiäre Beziehungsnarrativ einordnen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Diagnose der Infertilität das Männlichkeitsverständnis der Betroffenen erschüttert und eine Neubewertung der eigenen Geschlechtsidentität anstößt. Der Umgang mit dem Samenspender erweist sich als vielschichtig: Er wird von den Vätern in der Regel anerkannt, zugleich aber in seiner potenziellen Rivalitätsposition innerhalb der familiären Triade begrenzt. Diese Bewältigungsstrategie lässt sich als Öffnung der klassischen ödipalen Dreieckskonstellation verstehen – im Sinne eines „ödipalen Kreises“, der den Spender einbindet, ohne die triadische Familienstruktur grundlegend infrage zu stellen.
Referent:innen
Mona Reiss (Hamburg)
Kosten
Die Teilnahme ist kostenlos.
Anmeldung
Die Anmeldung erfolgt via Email bei Prof. Dr. Lutz Götzmann: goetzmann@ippk.de