Abstract
Holding Hands von Carolin Wille
Viele leben mit einem Katastrophenbewusstsein, in welchem sich das Ende der Welt leichter vorzustellen ist, als das Ende des Kapitalismus. Es stellt sich die Frage, inwiefern ein Unverhofftes, gar ein Wunder, ein Erstaunen vielleicht, diese stabile innere Form apokalyptischer Sinnstruktur zu durchbrechen vermag. Denn sich die Zukunft dunkel auszumalen ist nichts Neues. Vielleicht ist genau das die Wiederholung, welche die immergleichen Reaktionen sich selbst verfestigender Verhältnisse provoziert und dabei gleichzeitig das politische Vorstellungsvermögen und das Handeln des Subjekts beschränkt.
Die Tagung ist der Versuch, einen (nicht zuletzt auch psychoanalytischen) Reflektions- und Erfahrungsraum zu öffnen, der nach der Beziehung zwischen dem Einzelnen und dem Allgemeinen fragt, ohne die Differenz zwischen beiden einzuebnen. Gesucht werden soll eine Vision im disruptiven Moment des Unverhofften. Diese Vision ist letztlich für die Gesellschaft, aber fragt nach dem Einzelnen. „Vision“ ist die Denkkraft, die über das Phänomen der Endzeitstimmung hinausgeht und damit beginnt, die Gegenwart nicht nur zu besprechen, sondern etwas, wie einen Widerspruch zwischen Dystopie und Utopie zu schieben. Aus diesem Widerspruch kann sich eine Suche nach Sinn ergeben, die sich nicht im Sinn auflöst.
Wir wollen fragen, wie eine Verwunderung oder der Eintritt eines Unerwarteten Einfluss auf das Subjekt innerhalb gesellschaftlicher Verhältnisse haben könnte. Man mag kritisch einwenden, der Rückgriff auf eine metaphysische Kategorie wie das „Wunder“ habe etwas Rückschrittliches. Diese Perspektive lässt aber außer Acht, dass es gerade die Überraschung ist, die die Logik der Erwartung aufschließt.
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Programm
Vorprogramm am 17.04.2026, 19:00 - 21:00
IPPK-Buchvorstellung: „Im Angesicht der Katastrophe – Theorie und Aktion in Zeiten des Klimakollaps“
Nico Graack und Lutz Götzmann (Herausgeber) stellen das im Jahr 2025 im IPPK-Verlag Berlin erschienene Buch: „Im Angesicht der Katastrophe. Theorie und Aktion in Zeiten des Klimakollaps“ vor, das Arbeiten von Fernando Castrillón, Lutz Götzmann, Nico Graack, Delara Habibi-Kohlen, Mechthild Klingenburg-Vogel, Sally Weintrobe und Peer Zickgraf versammelt. Weitere Autorinnen und Autoren werden anwesend sein.
Link zum Buch: https://buchshop.bod.de/im-angesicht-der-katastrophe-9783949634031
Der Eintritt zum Vorprogramm ist frei und findet unter gleicher Adresse statt.
Hauptprogramm
09:00 - 09:15 - Tagungseröffnung
09:15 - 13:30 - Vorträge
09:15 - 10:15 - Markus E. Hodec (Wien): Über das Neue
10:15 - 11:15 - Marie Meyer-Sahling (Berlin): Katastrophenbewusstsein und Zeitwahrnehmung in der Gegenwart
11:30 - 12:30 - Karl-Josef Pazzini (Berlin): Über das Unverfügbare - gibt es Wunder?
12:30 - 13:30 Farah Lenser (Berlin): Versuchen wir das Unmögliche! Eine Intervention zum Thema Wunder
15:00 - 16:30 - Workshops
Nico Graack (Prag): Kollapsbewegung: Zwischen prophetischem Genießen und radikaler Bescheidenheit
Adda Orbach (Berlin): Totalität und Klima
Thomas Hilger (Köln): Wunder/Randgänge der Psychoanalyse - von wunden Punkten zu Wunderpunkten
Lutz Götzmann (Berlin): Hoffen in Zeiten des Klimakollaps
Markus E. Hodec (Wien): Känologie und Klimakrise - Wie über etwas sprechen, das wir noch nicht wissen?
17:00 - 18:30 - Analytische Großgruppe
Leitung: Kathrin Albrecht und Frank Horzetzky (Berlin)
Kosten
Regulärer Tarif: 75€
Sozialtarif: 35€
Fördermitglieder des IPPK sowie Studierende und PIAs der SFU: kostenfrei
Anmeldung
Um sich zur Veranstaltung anzumelden, nutzen Sie bitte nachfolgenden Link: https://tally.ippk.de/r/GxdLlZ