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Janina Allers: Im Spiegel des Nicht-Verhältnisses: Eine empirische Untersuchung zu Lacans Formeln der Sexuierung

Abstract

In aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen zu Geschlecht, Sexualität und Identität zeigt sich zunehmend, dass binäre Geschlechtermodelle nur unzureichend dafür geeignet sind, die Vielfalt gelebter Erfahrungen zu erfassen. Feministische und queere Theorien haben wiederholt darauf hingewiesen, dass dichotome Ordnungssysteme nicht nur analytisch verkürzend wirken, sondern normative Effekte entfalten, indem sie bestimmte Subjektpositionen privilegieren und andere marginalisieren. Auch der Psychoanalyse wird vorgeworfen, historisch zur Stabilisierung heteronormativer Geschlechterordnungen beigetragen zu haben. Vor diesem Hintergrund rücken die Konzeptionen des französischen Psychoanalytikers Jacques Lacan in den Fokus, insbesondere seine im Seminar XX (Encore) entwickelten Formeln der Sexuierung. Diese beschreiben vier logische Positionen, die unterschiedliche Wege aufzeigen, wie ein sprechendes Subjekt sein Begehren im Verhältnis zur symbolischen Ordnung organisiert. Die Positionen sind dabei nicht als empirische Geschlechter zu verstehen, sondern als strukturelle Möglichkeiten subjektiver Verortung, die quer zu geschlechtlicher Identifikation laufen können. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die vier Positionen der Sexuierungsformeln empirisch zu erfassen. Zu diesem Zweck wird ein theoriegeleiteter Fragebogen entwickelt, der versucht, die logischen Positionen in alltagssprachlich zugängliche Aussagen zu übersetzen, die sich auf das Erleben in Bezug auf Lust und Begrenzung beziehen. So soll untersucht werden, ob sich in der Allgemeinbevölkerung typische Muster von Selbstpositionierungen finden lassen, die mit Lacans Modell korrespondieren und inwieweit diese Muster (un)abhängig von geschlechtlicher Selbstidentifikation bestehen. Die Studie folgt einem Mixed-Method-Design, in welchem in einem zweiten Schritt eine qualitative Vertiefung mittels semistrukturierter Interviews angedacht ist. Diese dient dazu, jene Bereiche zu explorieren, in denen das Fragebogeninstrument an Grenzen stößt und soll somit eine differenziertere Annäherung an die subjektive Strukturierung des Begehrens ermöglichen.

Referent:innen

Janina Allers (Hamburg)

Kosten

Die Teilnahme an den Forschungskolloquien ist kostenfrei.

Anmeldung

Bitte melden Sie sich für die Forschungskolloquien bei Prof. Dr. med. Lutz Götzmann an: goetzmann@ippk.de

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17. März

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26. März

Ute Müller-Spiess: Die Duplizität der weiblichen Jouissance