Abstract
Gewöhnlich werden Lacans spätere Aneignungen des logischen Vokabulars in den „Formeln der Sexuierung“ philosophisch über Aristoteles (le Gaufey) oder Kant (Copjec) angegangen. Und gewöhnlich wird davon ausgegangen, dass die Formeln des Nicht-Alles eine Position zum Ausdruck bringen, die eine Art Vorrang gegenüber dem Alles hat (Copjec/Chiesa). Ich möchte diese Sichtweise aus rein philosophischer Perspektive wie folgt hinterfragen. Zunächst schlage ich vor, die Formeln aus dem Kontext heraus zu betrachten, den Lacan selbst vorschlägt, nämlich der Grundlegungskrise der modernen Mathematik und Logik und den darin auftretenden Widersprüchen uneingeschränkter Universalität. Die Hauptaufgabe ist also zunächst eine systematische Rekonstruktion von Lacans Formeln und den beiden Logiken des „Alles“ und des „Nicht-Alles“ aus diesem Kontext heraus, mit gelegentlichen Anmerkungen zur historischen Entwicklung dieser Formeln und zu Lacans Verhältnis zu Mathematikern sowie einigen Anmerkungen zum Zusammenhang mit Kants Antinomien, auf die sich Copjec konzentriert. Zweitens stelle ich in diesem Rahmen dar, worauf ein angeblicher „Vorrang des Nicht-Alles“ philosophisch hinausläuft: auf die Verpflichtung zu einer endlosen Aufgabe der Dekonstruktion oder auf eine Form des Skeptizismus. In einem Ausblick skizziere ich eine andere, von Žižek in Ansätzen entwickelte Lesart.
Referent:innen
Nico Graack (Kiel)
Kosten
Die Teilnahme ist kostenlos.
Anmeldung
Die Anmeldung erfolgt via Email bei Prof. Dr. Lutz Götzmann: goetzmann@ippk.de